Schwerpunkte · Burnout-Prävention
Stress, Überforderung & Burnout-Prävention für Lehrer:innen
Schule kann unglaublich erfüllend sein – und gleichzeitig unglaublich viel Energie kosten. Vielleicht funktionierst du im Unterricht noch, merkst aber, dass Erholung immer schwieriger wird. Vielleicht kreisen deine Gedanken auch am Abend um Schüler:innen, Eltern und Erziehungsberechtigte, unerledigte Aufgaben oder die nächste schwierige Situation.
In der Beratung schauen wir gemeinsam darauf, was dich konkret belastet, welche Faktoren du beeinflussen kannst und wo du wieder mehr Grenzen, Erholung und Handlungsspielraum in deinen Schulalltag bringen kannst.

Wann wird Stress im Lehrer:innenberuf zu viel?
Stress wird problematisch, wenn Belastungsphasen kaum noch von Erholungsphasen unterbrochen werden und du merkst, dass deine körperlichen, emotionalen oder mentalen Ressourcen zunehmend erschöpft sind. Im Lehrer:innenberuf können dabei viele kleine Anforderungen gleichzeitig wirken – auch wenn keine davon für sich allein dramatisch erscheint.
Vielleicht erkennst du Gedanken oder Situationen wie:
- „Ich bin nach der Schule völlig leer.“
- „Ich denke am Wochenende schon wieder an Montag.“
- „Ich bekomme den Kopf nach der Arbeit nicht frei.“
- „Kleinigkeiten bringen mich inzwischen auf die Palme.“
- „Ich habe ständig das Gefühl, noch etwas erledigen zu müssen.“
- „Ich funktioniere eigentlich nur noch.“
- „Für mich selbst bleibt kaum noch Energie.“
- „Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich etwas nicht schaffe.“
Dabei ist wichtig: Belastung bedeutet nicht automatisch Burnout. Sie kann aber ein Anlass sein, früher hinzuschauen, bevor sich problematische Muster über längere Zeit verfestigen.
Warum sind so viele Lehrer:innen gestresst?
Lehrer:innen müssen gleichzeitig unterrichten, Beziehungen gestalten, Klassen führen, organisieren, dokumentieren, kommunizieren und auf Unvorhergesehenes reagieren. Gerade die Kombination unterschiedlicher Anforderungen kann belastend sein.
Aktuelle österreichische Daten aus TALIS 2024 zeigen, welche Faktoren Lehrer:innen der Sekundarstufe I besonders häufig als starke Stressquellen nennen:
| Stressquelle | Lehrer:innen in Österreich |
|---|---|
| Zu viel administrative Arbeit | 57 % |
| Klassendisziplin aufrechterhalten | 50 % |
| Zusätzliche Aufgaben wegen fehlender Kolleg:innen | 47 % |
Außerdem geben 20 % der österreichischen Lehrer:innen an, bei ihrer Arbeit „sehr viel“ Stress zu erleben. Seit 2018 ist dieser Anteil um acht Prozentpunkte gestiegen. OECD
Das Interessante daran: Gleichzeitig sind 93 % mit ihrem Beruf insgesamt zufrieden. OECD
Du kannst deinen Beruf also mögen und trotzdem unter bestimmten Bedingungen leiden.
Das eine schließt das andere nicht aus.
Woran kann ich erkennen, dass ich als Lehrer:in überfordert bin?
Überforderung zeigt sich nicht bei allen Menschen gleich. Manche werden erschöpft und ziehen sich zurück, andere werden gereizter, perfektionistischer oder versuchen noch mehr zu leisten. Ein wichtiges Signal kann sein, wenn du merkst, dass deine bisherigen Strategien zur Erholung oder Bewältigung nicht mehr ausreichend funktionieren.
Zum Beispiel:
Körperlich:
ständige Müdigkeit, Anspannung, schlechtere Erholung oder das Gefühl, dauerhaft unter Strom zu stehen.
Gedanklich:
Grübeln über Schule, Schwierigkeiten abzuschalten, gedankliche To-do-Listen oder dauerndes Vorausplanen.
Emotional:
Gereiztheit, Frustration, Gleichgültigkeit, zunehmende Distanz oder das Gefühl, ständig zu viel zu sein.
Im Verhalten:
noch mehr arbeiten, Dinge aufschieben, Rückzug, kaum Pausen machen oder Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen.
Nicht jedes dieser Zeichen bedeutet Burnout. Entscheidend ist vielmehr, wie lange die Belastung anhält, wie stark sie dich beeinträchtigt und ob ausreichend Erholung noch möglich ist.
Was ist Burnout eigentlich?
Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt Burnout in der ICD-11 als ein berufsbezogenes Phänomen infolge chronischen Arbeitsstresses, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Genannt werden dabei insbesondere Erschöpfung, zunehmende mentale Distanz bzw. negative Gefühle gegenüber der Arbeit und ein vermindertes Gefühl beruflicher Wirksamkeit. Burnout wird von der WHO nicht als eigenständige medizinische Erkrankung klassifiziert. Weltgesundheitsorganisation
Für die Beratung bedeutet das:
Es geht nicht darum, möglichst schnell ein Etikett wie „Burnout“ auf deine Situation zu kleben.
Viel hilfreicher ist zunächst die Frage:
Was kostet dich gerade dauerhaft mehr Energie, als du zurückbekommst?
Was kann ich tun, wenn ich mich als Lehrer:in überfordert fühle?
Der erste Schritt besteht häufig darin, Belastung nicht nur als ein großes diffuses „Es ist alles zu viel“ zu betrachten. Gemeinsam können wir herausarbeiten, welche Faktoren besonders viel Energie kosten, welche davon veränderbar sind und wo möglicherweise Grenzen, Prioritäten oder konkrete Veränderungen notwendig werden.
Dabei unterscheiden wir zum Beispiel:
| Was belastet mich? | Mögliche Fragen |
|---|---|
| Arbeitsmenge | Was muss tatsächlich gemacht werden? |
| Verantwortung | Wofür bin ich zuständig – und wofür nicht? |
| Klasse | Brauche ich andere Strategien der Klassenführung? |
| Kommunikation | Welche Gespräche oder Konflikte belasten mich? |
| Organisation | Welche Abläufe kosten unnötig viel Zeit? |
| Eigene Ansprüche | Was verlange ich zusätzlich von mir selbst? |
| Schule/Team | Welche Rahmenbedingungen kann ich ansprechen oder verändern? |
| Berufsperspektive | Möchte ich so langfristig weiterarbeiten? |
Damit kommen wir weg von:
„Ich müsste einfach belastbarer sein.“
und hin zu:
„Was genau passiert hier – und an welcher Stelle kann Veränderung beginnen?“
Wie kann Burnout-Prävention für Lehrer:innen konkret aussehen?
Burnout-Prävention bedeutet nicht nur Entspannungsübungen, Yoga oder besseres Zeitmanagement. Wenn Belastung durch Arbeitsmenge, Konflikte, fehlende Grenzen oder problematische Abläufe entsteht, muss auch dort angesetzt werden.
Je nach Situation kann Prävention deshalb bedeuten:
- Aufgaben und Verantwortlichkeiten neu zu sortieren,
- eigene Grenzen früher wahrzunehmen,
- nicht jede Aufgabe automatisch zu übernehmen,
- Erwartungen an sich selbst zu überprüfen,
- Konflikte aktiv zu bearbeiten,
- Klassenführung zu verändern,
- Arbeitsabläufe zu vereinfachen,
- Erholung verbindlicher zu schützen,
- Unterstützung einzufordern,
- oder größere berufliche Veränderungen zu prüfen.
Selbstfürsorge darf nicht bedeuten, dass du dich lediglich besser an belastende Bedingungen anpassen musst.
Manchmal braucht es auch Veränderung an den Bedingungen selbst.
Warum fällt Lehrer:innen Abgrenzung oft so schwer?
Lehrer:innen arbeiten mit Menschen. Dadurch endet Verantwortung nicht automatisch mit der letzten Unterrichtsstunde. Situationen mit Schüler:innen, Konflikte oder Sorgen können emotional weiterwirken – besonders dann, wenn du hohe Ansprüche an dich selbst hast oder dich stark verantwortlich fühlst.
In der Beratung können wir deshalb genauer unterscheiden:
Was ist meine Aufgabe?
Was kann ich beeinflussen?
Wo beginnt die Verantwortung anderer Menschen oder anderer Systeme?
Abgrenzung bedeutet nicht Gleichgültigkeit.
Sie bedeutet, Verantwortung dort zu übernehmen, wo sie tatsächlich zu deiner Rolle gehört – und sie dort zurückzugeben, wo sie nicht mehr deine ist.
→ Mehr zu Grenzen & professioneller Abgrenzung für Lehrer:innen
Was, wenn die eigentliche Belastung meine Klasse ist?
Dann lohnt es sich, nicht ausschließlich an Stressbewältigung zu arbeiten.
Wenn Unterrichtsstörungen, schwierige Gruppendynamiken oder einzelne herausfordernde Situationen einen erheblichen Teil deiner Belastung verursachen, kann es sinnvoller sein, direkt an Klassenführung und konkreten Handlungsmöglichkeiten im Unterricht anzusetzen.
Wir können beispielsweise Situationen analysieren, Regeln und Konsequenzen überprüfen, Routinen entwickeln oder konkrete Reaktionen ausprobieren.
Denn manchmal sinkt Stress nicht dadurch, dass du lernst, ihn besser auszuhalten.
Manchmal sinkt Stress, weil du in einer schwierigen Situation wieder handlungsfähiger wirst.
→ Mehr zu Klassenführung & Classroom Management
Was, wenn ich wegen der Belastung überlege, den Lehrer:innenberuf zu verlassen?
Der Gedanke, nicht mehr als Lehrer:in arbeiten zu wollen, muss weder sofort umgesetzt noch sofort verworfen werden. Zunächst kann es hilfreich sein zu unterscheiden, ob du den Beruf grundsätzlich verlassen möchtest oder ob bestimmte Bedingungen deiner aktuellen Situation nicht mehr tragbar sind.
Wir können gemeinsam anschauen:
Geht es um deine konkrete Schule?
Um dein Stundenausmaß?
Um eine bestimmte Funktion?
Um dauerhafte Überforderung?
Oder tatsächlich um den Wunsch nach einem neuen beruflichen Kapitel?
Erst danach muss die Frage kommen:
Bleiben oder gehen?
Wann ist psychosoziale Beratung sinnvoll – und wann brauche ich andere Unterstützung?
Psychosoziale Beratung kann sinnvoll sein, wenn du Belastungen sortieren, Handlungsmöglichkeiten entwickeln, Grenzen verändern, Konflikte bearbeiten oder berufliche Entscheidungen reflektieren möchtest.
Wenn Beschwerden stark ausgeprägt sind, länger anhalten oder du vermutest, dass eine psychische oder körperliche Erkrankung vorliegen könnte, sollte zusätzlich eine entsprechende ärztliche, psychotherapeutische oder psychiatrische Abklärung erfolgen.
Meine Beratung ersetzt keine medizinische Diagnose oder Behandlung.
Das ist mir gerade beim Thema Burnout wichtig: Wir dürfen Belastung ernst nehmen, ohne alles vorschnell zu pathologisieren – und gleichzeitig müssen wir erkennen, wann Beratung allein nicht das passende Angebot ist.
→ Mehr zu Rahmen, Abgrenzung und häufigen Fragen zur Beratung
Wie kann Beratung bei Stress und Überforderung ablaufen?
Zu Beginn müssen wir noch keine fertige Lösung kennen.
Oft beginnen wir mit einer Art Landkarte:
Was belastet dich gerade?
Welche Situationen wiederholen sich?
Was kostet besonders viel Energie?
Was kannst du beeinflussen?
Was versuchst du vielleicht schon lange zu lösen?
Danach können wir konkreter werden. Je nach Anliegen kann es um Abgrenzung, Kommunikation, Klassenführung, Selbstorganisation, Entscheidungen oder persönliche Muster gehen.
Dabei arbeite ich nicht nur über Gespräch. Wir können Situationen visualisieren, unterschiedliche Perspektiven ausprobieren oder konkrete Gespräche und Reaktionen durchspielen.
Ziel ist nicht, dass du noch besser funktionierst.
Ziel ist, dass du wieder mehr Möglichkeiten hast, deinen Schulalltag aktiv mitzugestalten.
Stress im Lehrer:innenberuf ist nicht nur ein individuelles Problem
Die aktuellen österreichischen Daten zeigen, dass Belastung auch mit Arbeitsbedingungen zusammenhängt. Besonders häufig werden administrative Anforderungen, Klassendisziplin und zusätzliche Aufgaben durch fehlende Kolleg:innen genannt. OECD
Auch international zeigt TALIS einen Zusammenhang zwischen bestimmten nicht-unterrichtenden Aufgaben und geringerem Wohlbefinden: Zusätzliche Zeit für Administration, Korrekturen und Kommunikation mit Eltern bzw. Erziehungsberechtigten steht stärker mit reduziertem beruflichen Wohlbefinden in Verbindung als zusätzliche Unterrichts- oder Vorbereitungszeit. OECD
Deshalb sollte die Frage nicht nur lauten:
„Wie werde ich resilienter?“
Sondern auch:
„Welche Belastung lässt sich konkret verändern?“
Du musst nicht warten, bis gar nichts mehr geht
Vielleicht bist du noch weit entfernt von einem Burnout.
Vielleicht merkst du einfach:
„So viel Energie möchte ich Schule nicht mehr geben.“
Auch das reicht als Anlass für Beratung.
Je früher sichtbar wird, wo Belastung entsteht und welche Möglichkeiten du hast, desto eher können Veränderungen ausprobiert werden, bevor sich Situationen weiter zuspitzen.
Du musst mir Schule nicht erst erklären.
Wir schauen gemeinsam darauf, was dich gerade belastet – und was sich verändern lässt.